Vierzig ungarische Jahre 1916 – 1956: jetzt als pdf

Vor mehr als zehn Jahren erschien die Autobiographie meines Vaters, János Paál. Im Alter von 40 Jahren war er 1956 aus Ungarn geflohen – wie hunderttausend andere. Er war Zeitzeuge verschiedener Entwicklungen in Ungarn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts:

Als Schüler am berühmten Rabbinerseminar in Budapest schließt er sich der zionistischen Bewegung an. Als junger Arzt er- und überlebt er deutsche und ungarische Faschisten. Später wird er mit seiner Frau in die berüchtigten kommunistischen Schauprozesse verwickelt. Sie wird inhaftiert, er in die Provinz verbannt. Als sie sich nach vier Jahren wiedersehen, spitzt sich die politische Lage zu. Es kommt zum Volksaufstand.

Das Buch erschien 2006 bei Books on Demand. Da es nicht mehr erhältlich ist, steht es ab sofort hier als pdf zur Verfügung (oder aufs Cover klicken).

„Aus dem Englischen von Sebastian Vogel“

Der Wissenschafts-Bestseller-Übersetzer spricht über seine Arbeit, über Dritte Kultur und ärgerliche Bücher.

Irgendwann war es ein Déjà-vu. Ich schlage „Eine neue Geschichte des Lebens“ auf – den noch jungen Weltererklärungs-Wälzer von Joseph Kirshvink und Peter Ward. Und wieder steht auf der Titelseite unter dem Titel und dem Autor diese Worte: „Aus dem Englischen von Sebastian Vogel“. Der Mann scheint spezialisiert zu sein auf die Bücher, die mich interessieren, denke ich.

Jared Diamond, Richard Dawkins, Steven Pinker, Jim Al-Khalili, Steven J. Gould, Brian Green. Bücher über ganz unterschiedliche Themen, von Kosmos bis Kultur ist alles dabei. Und doch gibt es eine Gemeinsamkeit: Es ist die Art von Literatur, die John Brockman „Third Culture“ nannte (und für die ich im Deutschen gerne den Hegelschen Begriff „Realphilosophie“ verwende). Also lade ich Sebastian Vogel in die Sendung ein – und er verrät, warum ihn manche Bücher ärgern, was er von der „Dritten Kultur“ denkt und warum es von ihm kein Foto im Internet gibt.

PS: „Eine neue Geschichte des Lebens“ ist für Leute, die sich mal auf den Stand der Erdgeschichte bringen wollen, empfehlenswert – leider hat es didaktisch einige Mängel. Ein sorgfältiges Lektorat hätte schon die unzähligen Redundanzen vermieden. Ein paar mehr Skizzen hätten viele Zusammenhänge mit einfachen Mitteln deutlich anschaulicher machen können – und die wenigen Skizzen, die das Buch enthält, finden sich oft an der falschen Stelle.

Wer heilt, hat mehr recht, als wer pöbelt.

Jetzt sind wir auch mal Lügenpresse. Sonst werden ja immer nur die KollegInnen aus den Politikressorts mit wüsten Beschimpfungen bedacht und wir Wissenschaftsredaktionen gehen leer aus. Der Kommentar von Axel Weiß in SWR2 Campus zum derzeitigen Aktivismus gegen die Homöopathie sorgt nun für ein bisschen Gerechtigkeit. Endlich der langersehnte Shitstorm. Aber im Ernst: Weiterlesen

Selbstverbrennung: Aktivismus-Debatten in Wissenschaft und Journalismus

An Hans Joachim Schellnhuber scheiden sich die Geister ja nicht zum ersten Mal. Ein Aspekt dabei fällt mir aber erst jetzt auf, in der Diskussion um sein neues Buch „Selbstverbrennung“: Nämlich die Parallele zwischen den Aktivismus-Debatten in Wissenschaft und Journalismus. Im Grunde ein weiterer Hinweis auf die Konvergenz zwischen beiden Systemen.

„Das Ende des Staunens – Ist die Ära der großen wissenschaftlichen Entdeckungen vorbei?“

Die Nobelpreise stehen bevor, die Allgemeine Relativitätstheorie wird 100 Jahre alt und Markus Bohn, langjähriger Leiter der SWR-Wissenschaftsredaktion, verabschiedet sich in den Ruhestand. Anlässe genug, um zu seinem Abschied mit ihm diese zugegebenermaßen steile These im SWR2 Forum zu diskutieren.

Blicken wir mal hundert Jahre zurück: Die Wissenschaft erlebte damals einen Aha-Effekt Weiterlesen

Geoethik und Anthropozän

Es ist bisher noch nicht vorgekommen, dass mich eine eigene, von mir moderierte Sendung zu einem nachträglichen Kommentar provoziert. Doch die Diskussion zum Anthropozän im SWR2 Forum hat mich dazu veranlasst, meine Gedanken dazu nochmal auf Spektrum.de zu formulieren. Mir scheint: Die These, wonach wir in einem neuen Erdzeitalter leben, ist wissenschaftlich reizvoll, droht jedoch auszufransen.

IMG_1266Gleichzeitig diskutieren Geowissenschaftler verstärkt über die Notwendigkeit einer Geoethik bzw. versuchen, den Begriff mit Inhalt zu füllen. Ich habe dazu schon vor ein paar Jahren mal einen Vorschlag gemacht, und merke jetzt, dass das Anthropozän mit diesem Konzept gut korrespondiert. Die Tagung der EGU in Wien im April 2015 hatte die Geoethik ja auch auf der Tagesordnung. Ich konnte nicht dabei sein – die Sendung von Wolfgang Däuble im ORF (leider nicht mehr downloadbar) bildet die Diskussion jedoch sehr gut ab. Im Grunde gibt es zwei Ansätze: Den einen könnte man zusammen fassen als: Geoethik als Ethik der Geowissenschaften: Welche Verantwortung haben Forscher, wenn es um Fracking, Geoengineering, Bergbau, aber auch Kastrophenvorsorge geht. Der zweite Ansatz (den ich bisher auch vertreten habe) versteht den Begriff etwas weiter: Die Geoethik widmet sich demnach denjenigen ethischen Fragen, die sich aus den globalen – nicht nur, aber vor allem auch: ökologischen – Veränderungen ergeben. Sie adressiert (analog der Bioethik) demnach nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Politik, die die entsprechenden Rahmenbedingungen auch für unser eigenes Verhalten setzt. Zu den Vertretern dieser Richtung gehört unter anderem David Mogk von der Montana State University. Ich war positiv überrascht, in der genannten Sendung zu hören, dass er ebenfalls die Parallele zum Anthropozän zieht.

Aus meiner Sicht haben beide Ansätze, Geoethik zu begreifen, ihre Berechtigung und können sich ergänzen. Es gibt ja auch nicht nur „eine“ Bioethik. Definitionsfragen sind wissenschaftlich nicht entscheid-, nur plausibilisierbar – das gilt für die Geoethik ebenso wie fürs Anthropozän. Hier also der ganze Kommentar.

11.7.2015: Ist der Papst ein verkappter Geoethiker? Die Frage stellt sich nach der Veröffentlichung seiner Enzyklika Laudato si‘. Ich habe sie hier auch nochmal kurz aufgegriffen.

 

Haben Sie fachspezifische Träume?

Ich träume oft von Orten.IMG_1491
Die Handlungen verblassen in der Erinnerung. Die Orte bleiben im Gedächtnis, und von manchen Orten und Gegenden träume ich immer wieder, unabhängig davon, ob ich schon mal dort war oder nicht. Es sind oft auch keine realen Orte. Die Erde in diesen Träumen ist Weiterlesen

Wo Luhmann sich verrannt hat: Konvergenzen von Wissenschaft und Journalismus

Zwischen Wissenschaft und Medien sind gewisse Konvergenzen zu beobachten. Diese widersprechen der Theorie Luhmanns, der zufolge Wissenschaft und Journalismus unterschiedlichen „Codes“ folgen: Nämlich „Wahrheit“ (im Fall der Wissenschaft) und „Neuheit/Information“ im Fall der Medien. Dies ist die Kernbotschaft meines Artikels „Wo Niklas Luhmann sich verrannt hat“, der heute in „Meta“ erschienen ist,  Weiterlesen

In Syria before the war

Galerie

Diese Galerie enthält 15 Fotos.

Dies sind Bilder von einer Reise nach Syrien 2008. Ziel waren Recherchen für mein Feature „Der letzte Acker vor der Wüste“. Das Internationale Agrarforschungszentrum für die Trockengebiete ICARDA befand sich in Aleppo. Mehrere hundert Mitarbeiter aus der ganzen Welt arbeiteten und forschten dort gemeinsam. … Weiterlesen

Die Wissenschaft in der besten Talksendung von allen

Endlich sagt es mal jemand! Die NOZ findet: Das SWR2 Forum ist die mit Abstand beste Talksendung im deutschen Radio. (Nachtrag: Eine Woche später kam die NOZ auch zum Ergebnis, dass SWR2 und BR2 die besten Feature sendet. Besonders hat mich gefreut, dass sie Marionette Mappus – eine Sendung von Simone Hamm – zur „vielleicht besten Radio-Dokumentation“ erklärte. Die war wirklich gut. Ich weiß es: ich hatte das Vergnügen, sie redaktionell zu betreuen) Weiterlesen