Wer heilt, hat mehr recht, als wer pöbelt.

Jetzt sind wir auch mal Lügenpresse. Sonst werden ja immer nur die KollegInnen aus den Politikressorts mit wüsten Beschimpfungen bedacht und wir Wissenschaftsredaktionen gehen leer aus. Der Kommentar von Axel Weiß in SWR2 Campus zum derzeitigen Aktivismus gegen die Homöopathie sorgt nun für ein bisschen Gerechtigkeit. Endlich der langersehnte Shitstorm. Aber im Ernst:

Nicht, dass kritische Reaktionen bei diesem Kommentar nicht erwartbar waren. Aber doch ein wenig erstaunlich, dass sie im Ton so sehr denen von „besorgten Bürgern“ ähneln. Wie auch immer, mich auf Stilkritik zu beschränken wäre zu einfach. Deshalb noch ein paar Worte zum Inhalt – wobei ich mich hier lediglich als Hörer des Beitrags und Leser der Tweets äußere. Sofern die Tweets überhaupt inhaltlich auf den Kommentar bezug nehmen, stoßen sie sich am Satz „Wer heilt, hat recht“:

Der Satz „Wer heilt, hat recht“ löst offenbar einen Kreisch-Reflex aus – völlig unabhängig vom Kontext, in dem er fällt. Es wird unterstellt, der Satz sei „unlogisch“ – was in sich wiederum unlogisch ist, denn die Redewendung ist keine, die mit den Gesetzen der Logik beweis- oder widerlegbar wäre. Zu argumentieren, der Satz sei unlogisch oder „ein Fehlschluss“, ist so sinnlos wie bei anderen Redewendungen („Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ oder „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“).

Der Tweet von @Mathau63 (übrigens der einzige, der es noch mit Argumenten versucht) enthält einen weiterführenden Link auf einen GWUP-Beitrag. Dieser Beitrag scheint das „Wer heilt, hat recht“-Argument zwar zu zerpflücken. Wenn man ihn jedoch „logisch“ aufarbeitet, sagt er lediglich „Wer behauptet zu heilen, heilt in Wahrheit gar nicht“ und „Dass eine Heilung eintritt, ist kein Beweis für die Wirkung der Therapie“. Der GWUP-Beitrag kommt zum Fazit:

Wer also die Phrase “Wer heilt, hat Recht” nur verwendet, um damit grundsätzlich einen Beweis für die  Wirksamkeit verschiedenster alternativer Heilverfahren zu suggerieren – der irrt.

Das stimmt (und das Wörtchen „alternativ“ schränkt die Aussage sogar unnötig ein) – steht aber aus meiner Sicht in keinem Widerspruch zu der Verwendung des Satzes im Kontext des Kommentars von Axel Weiß. Dieser Kommentar sagt klar: Homöopathische „Medikamente“ haben keine nachweisbare Heilwirkung. Er sagt aber auch: Homöopathie zu einer Heilung beitragen – wenn auch als Plazebo. Auch das wird ja von Homöopathie-Gegnern in der Regel nicht bestritten.

Die entscheidende Frage ist aber ja dann: Was folgt daraus? Als szientistischer Rechthaber kann ich darauf beharren, dass man gegen eine Heilmethode, deren Wirkung sich nicht von denen eines Plazebos unterscheidet (was etwas anderes ist als zu sagen: sie wirke nicht!), mit aller Macht vorgehen müsse, um dann – wie Sebastian Bartoschek – frustriert zu kapitulieren. Oder aber ich nehme die Homöopathie als das, was sie ist: ein „wirksames Plazebo“ bzw. in den Worten von Axel Weiß „Alltagsschamanismus“. Man muss sie nicht propagieren, und schon gar nicht sollte ihre Wirkungs-Lehre als „Wissenschaft“ dargestellt werden. Man mag beklagen, dass sie sich in weiten Kreisen durchgesetzt hat. Nur: Sie ist heute gesellschaftliche Realität. Schon als solche wirkt sie, und da kann man sich schon fragen: Ist sie das schlimmste aller Übel im Gesundheitswesen? Lohnt sich der Kampf oder sollte man die Energie nicht gegen andere Missstände richten?

Gefährlich wird die Homöopathie dann, wenn man sich bei schweren Erkrankungen auf sie verlässt und anderen Therapien vorzieht. Doch die Zahl derer, die das tut, ist weitaus geringer als die Zahl der Menschen, die unnötig zu Antibiotika greifen und damit zur weit verbreiteten Antibiotikaresistenz von Erregern beitragen.

Wo also ist das „Kritische Netzwerk“ gegen Antibiotika-Missbrauch?
Wo sind die Aufklärungskampagnen gegen unnötige Bandscheiben-, Knie- und Hüft-OPs?
Lauter nutzlose „Heilmethoden“, deren Folgekosten für die Gesellschaft wesentlich höher sind. Es gibt zahllose konventionelle Salben und Tabletten, deren Wirkung sich in vielen Fällen nicht messbar von Homöopathie unterscheidet. Aber an denen stören sich die „Kritiker“ nicht. Da müsste man zuviel differenzieren. Die Homöopathie ist da der leichtere, weil klarer eingrenzbare Gegner.

Ist es wirklich der hilfreichste Ansatz, Plazebos zu entlarven und auszumerzen statt sich ihr Potenzial zunutze zu machen? Die Kritiker argumentieren nach dem Motto „Plazebo gilt nicht“. Andererseits ist ja auch bekannt, dass die ärztliche Ansprache einen großen Einfluss auf die Heilung hat, was ja auch zunehmend in die Mediziner-Ausbildung einfließt. Da sagt auch niemand: „Das müssen wir bekämpfen, ist ja kein Wirkstoff drin“. Die Unterschied ist: Die ärztliche Ansprache wird als „psychische Maßnahme mit einer psychischen Wirkung“ wahrgenommen. Globuli dagegen kommen als „physisches“ Präparat daher – deshalb erscheinen sie als „falsch“. Doch diese Unterscheidung ist eh überholt. Auch eine psychoneuroimmunulogische Wirkung ist schließlich eine Wirkung.

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41 Gedanken zu „Wer heilt, hat mehr recht, als wer pöbelt.

  1. << Aber an denen stören sich die “Kritiker” nicht. Da müsste man zuviel differenzieren. Die Homöopathie ist da der leichtere, weil klarer eingrenzbare Gegner. <<

    Das ist so nicht richtig.

    Es gibt bereits zahlreiche Organisationen und Einzelpersonen (z.B. Medizinjournalisten), die Missstände im Gesundheitswesen aufgreifen – googeln Sie z.B. "Antibiotika" und "unnötig", bekommen Sie Hunderte Artikel zu dem Thema, ebenso wie zu "unnötigen Knie- und Hüftoperationen".

    Der riesige Markt der sogenannten "Alternativmedizin" mit dem Flaggschiff Homöopathie agiert dagegen nahezu unbeobachtet und hat es geschafft, sich mit dem Etikett "sanft" und "natürlich" einen regelrechten Schweigeschutz vor jedweder kritischen Betrachtung zu erkaufen.

    Unter anderem deswegen legt das "Netzwerk Homöopathie" seinen Fokus in diesen Bereich – denn alle unleugbaren Probleme und Missstände in unserem Gesundheitssystem machen Homöopathie und Co. nicht wirksamer.

    Zudem kommen viele der "Netzwerk"-Mitglieder von s.g. Skeptiker-Organisationen wie der GWUP, deren USP auf "außergewöhnlichen Behauptungen" liegt – also auf Pseudo- und Parawissenschaften, und mithin auch auf der Pseudomedizin.

    Kurz gesagt: Das "Netzwerk Homöopathie" agiert auf einem Feld, in dem es bislang kaum öffentliche Kritik gibt und auch Ärzte, Apotheker, Standesvertreter und Politiker sich äußerst vornehmen zurückhalten, um bloß keine Patienten, Kunden oder Wähler zu verprellen – mit Kritik an Antibiotika oder sinnlosen Hüftoperationen kann man dagegen überall und zu jeder Zeit punkten.

    << Ist es wirklich der hilfreichste Ansatz, Plazebos zu entlarven und auszumerzen statt sich ihr Potenzial zunutze zu machen? Die Kritiker argumentieren nach dem Motto “Plazebo gilt nicht” <<

    Auch das ist vollkommen falsch wiedergegeben und entspricht nicht einmal im Ansatz den Forderungen des "Netzwerks Homöopathie".

    Der entscheidende Punkt ist, dass Homöopathen, Heilpraktikern und oft genug auch homöopathisch tätigen Ärzten gar nicht klar ist, dass sie eine reine Placebo-Medizin praktizieren, und sie somit auch keinen verantwortungsvollen Umgang mit den Grenzen und Beschränkungen ihrer Methode pflegen können.

    Auch die Patienten wissen das nicht, werden also mithin betrogen in ihrer Erwartung, eine wirksame Medikation zu bekommen.

    Homöopathie wird üblicherweise als grenzenloses Allheilmittel bis hin zu Krebs, Aids und Ebola angepriesen – und nicht einmal der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) distanziert sich von solchen Umtrieben, ganz im Gegenteil. Die regelmäßigen Jubelarien des DZVhÄ auf und die Unterstützung für das skandalöse Treiben der "Homöopathen ohne Grenzen" in Kriegs- und Krisenregionen gibt dafür beredet Zeugnis.

    Davor gilt es Patienten zu schützen – nicht vor dem Placebo-Effekt.

    Sie finden zu jeder einzelnen Frage, die Sie aufwerfen, ausführliche Antworten und Erfahrungsberichte einer ehemaligen homöopathischen Ärztin – ich denke, nach dieser Lektüre würden Sie anders über das "Netzwerk Homöopathie" urteilen:

    http://homoeopathie-neu-gedacht.blogspot.de/

    • „Der riesige Markt der sogenannten „Alternativmedizin“ mit dem Flaggschiff Homöopathie agiert dagegen nahezu unbeobachtet und hat es geschafft, sich mit dem Etikett „sanft“ und „natürlich“ einen regelrechten Schweigeschutz vor jedweder kritischen Betrachtung zu erkaufen.“

      Wenn ich mir ansehe, wie viele Bücher, Blogs usw. es gegen Homöopathie gibt – im Vergleich zu Büchern und Blogs gegen die anderen genannten „unnützen“ Therapieformen – kann vom Fehlen „jedweder kritischen Betrachtung“ nun wirklich keine Rede sein.

      • << Wenn ich mir ansehe, wie viele Bücher, Blogs usw. es gegen Homöopathie gibt – im Vergleich zu Büchern und Blogs gegen die anderen genannten “unnützen” Therapieformen – kann vom Fehlen “jedweder kritischen Betrachtung” nun wirklich keine Rede sein. <<

        Kleiner Tipp: Gehen Sie mal in eine beliebige Bahnhofsbuchhandlung und blättern Sie die Frauen-, Eltern- und Unterhaltungspresse durch.

        Dann zählen Sie alle Pro-Homöopathie-Artikel zusammen, die Sie innerhalb kürzester Zeit darin finden, ohne eine einzige Zeile Kritik darin.

        Und dann durchforsten Sie bitte dieselben Blätter (plus Wochenmagazine, Tageszeitungen etc.) nach kritischer Berichterstattung über das Gesundheitssystem, Pharmaindustrie, Medikamente, Krankenkassen, Funktionäre, Gesundheitspolitik, unnötige Therapien etc.

        Dann gehen Sie bitte in die nächste Buchhandlung und lassen sich eine Liste aller verfügbaren Pro-Homöopathie-Bücher ausdrucken (allein der Katalog vom Narayana-Verlag ist dicker als das Telefonbuch) und stellen diese Zahl (mehrere Hundert) in Relation zu den fünf oder sechs kritischen Homöopathie-Büchern (Aust, Schmacke, Grams, Weymayr/Heißmann, mehr fallen mir gerade nicht ein)

        Und dann wiederholen Sie bitte noch einmal ernsthaft und mit Überzeugung Ihre obige Antwort

        • Also wenn ich alleine meine Fernsehzeitung ansehe, finde ich im hinteren Teil regelmäßig von der Pharmaindustrie bezahlte Beiträge, die als solche aber nicht kenntlich gemacht werden. Hier werden jedesmal fett gedruckt aber scheinbar beiläufig mehr oder weniger hilfreiche Medikamente propagiert. Im Fernsehen sehe ich unendlich viel mehr Werbung für pharmazeutische Medikamente – für alle Lebenslagen. Mir fällt dagegen kein einziger Werbespot für ein homöopathisches Mittel ein (höchstens für Heel, und die sind ja nicht mal „echt“ homöopathisch). So unterscheiden sich die Wahrnehmungen.

          • argumentum ad populum und argumentum ad verecundiam sind keine Legitimation für Hokuspokus!

          • Was möchten Sie denn damit nun wieder sagen, lieber Herr Paál? Dass Sie über Insiderwissen verfügen, weil Sie bezahlte Beiträge der Pharmaindustrie erkennen, obwohl diese als solche nicht kenntlich gemacht sind? Dass ebenfalls nicht kenntlich gemachte Werbebeiträge für die Homöopathie, wie jener von Axel Weiß, auch bezahlt werden? Oder dass Sie ernsthaft glauben, Homöopathika würden nicht auch von einem Zweig der Pharmaindustrie hergestellt, sondern… ja, was? … von Kräuterweiblein, die in ihrer Hütte am Waldrand Globuli einzeln zwischen zittrigen Fingern in Form rollen?
            Sie haben völlig recht, Wahrnehmungen unterscheiden sich. Und genau das ist auch der Grund, warum sich Wissenschaftler seit Hahnemanns Zeiten einige Wege überlegt haben, um zu verlässlichen Erkenntnissen zu gelangen, die von subjektiven Wahrnehmungen unabhängig seind. Dazu gehören weder Berichte begeisterter Laien über ihre Wunderheilung noch die Überzeugung, dass kausale Zusammenhänge beobachtbar sind. Vor diesem Hintergrund lässt sich die einigermaßen dümmliche Aussage „Wer heilt hat recht“ (womit eigentlich?) nur akzeptieren, wenn der Nachweis der Heilung DURCH die Behandlung nachgewiesen wird. Aber mit dem empirischen Nachweis steht die Homöopathie, wie Sie natürlich wissen, etwas auf dem Kriegsfuß.

          • 1. Daß es Werbung für echte Medikamente gibt, ist kein Gegenargument für das von Bernd Harder Geschriebene.
            2. Werbung für Meditonsin oder Mittelchen gegen erektile Dysfunktion und für anderen homöopathischen Müll kann man täglich mehrfach im Werbefernsehen „bewundern“. Vielleicht sollten Sie das mal wahrnehmen.

          • Schauen Sie einfach mal Serien im Vorabendprogramm ein. Homöopathie, Schüsslersalze und Bachblüten findet sich da gleich neben wirksamen Mittelchen. Und ganz ohne die »Bei Risiken und Nebenwirkungen«-Tafel.

            Natürlich ohne, denn wo nichts wirkt, gibt es auch keine Nebenwirkung.

          • Ich weiß nicht, ob Sie das gleiche Fernsehen schauen, Homöopathie, Schüßler-Salze, Bachblüten: All das täglich im öffentlich-rechtlichen Vorabendprogramm in der zielgruppenorientierten Ü-50-Werbung, neben den halbwegs wirksamen Mittelchen und dem Nahrungsergänzungsmittelquark.

            Und all das ohne die obligatorische »Bei Risiken und Nebenwirkungen«-Tafel. Denn wo nichts wirkt, gibt es natürlich keine Nebenwirkungen.

      • Wenn man die Anzahl kritischer Homöopathieseiten mit der Anzahl positiver Propagandaseiten vergleicht wird schbell klar, dass die Zahl der kritischen Betrachtungen noch deutlich höher werden muss. Sie zählen die Problematiken selber auf, nur um dann im letzten Moment scharf abzubiegen und zu relativieren. Es geht nicht darum, Homöopathie abzuschaffen. Es geht darum Homöopathie dahin zu bringen, wo sie hingehört. Auf Esoterikmessen, auf den Jahrmarkt (früher hatte diese Position Doc Miller mit seiner allesheilenden Wundermedizin frisch vom schicken Planwagen herunter verkauft), nach Hogwards. Und raus aus unserem Gesundheitssystem. Wer seine medizinische Unvernunft anwenden möchte sollte diese auch selber bezahlen, inkl. der Folgekosten für verschleppte wirksame Therspiekonzepte.
        Ich bin mit Ihnen völlig einer Meinung, dass der Placeboeffekt wesentlich besser genutzt werden könnte. Nur bekommen Sie den überall gratis dazu, in der Medizin sogar zu einer pharmakologischen Wirkung on Top oben drauf.

        Um Plaebos sinnvoll nutzen zu können muss aber den Verabreichern erst einmal bewussr sein, dass es Placebo ist. Die meisten Homöopathen gehen allerdings davon aus, dass es eben nicht nur eine Placebowirkung hat. Genau daraus resultiert homöopathischer Heilungsgrößenwahn in Form von Krebs, Aids, Malaria, ja es werden sogar homöopathische Impfalternativen angeboten!
        Wenn der Anwender den Kenntnisstand erreicht hätte, den Sie bereits haben wären wir schon ein großes Stück weiter und das Informationsnetzwerk wahrscheinlich sogar überflüssig. Solange das aber nicht der Fall ist und immer mehr zu einem semantischen Spiesrutenlauf wird (wie bitte soll es Nebenwirkungen in der HP geben, wenn die vorher einfach per plumpem Wortspiel aus der Definition herausgenommen wurden?), solange dieser esoterische Unsinn auch weiterhin der Türöffner für weiteren Unsinn ist ist es wichtig, dass es Türsteher gibt, die diese Tür immer wieder zuhalten.
        Da Ihre Aussagen zum Informationsnetzwerk leider fast ausnahmslos falsch sind (oder Sie sich vielleicht nur falsch ausgedrückt haben) würde ich empfehlen, einmal die Freiburger Erklärung zur Homöopathie durchzulesen. Dann werden die Absichten und Ziele des Informationsnetzwerks vielleicht etwas deutlicher. Nur ein Abschaffen der Homöopathie gehört dort sicherlich nicht dazu. Auch wenn es uns ehrt, dass Sie uns dieses wenigstens ideologisch zutrauen.

    • Gabor Paal beweist ja nicht eben Sachverstand in seinem Beitrag. Aber eines hat mich viel mhr erschüttert: Die tweets, die er zitieren konnte.
      Der Glaube an Esoterik und Kügelchen etc. ist für mich ein Inndikator für die prinziplielle Verführbarkeit von Menschen und Gesellschaften gegenüber einfachen Scheinerklärungen. Und da beklage ich den Verfall der Allgemeinbildung und die Verrohung und Weimarisierung der Diskussionkultur – genau wie in der Flüchtlingsfrage. Und es ist für michh erschütternd zu lesen, wie feindselig und niveaulos einige Homöopathiegegner da scheinbar keifen anstatt zu argumentieren. Da müssen wir klar abgrenzen. Meistens ist rechtes Denken in der Eso szene verbreiteter als unter Skeptikern. Daswegen sollte solcher Dukturs bei uns auch nicht geduldet werden.
      Spott ist etwas anderes als Beleidigungen und Hetze. Das müssen wir nicht. Das dürfen wir uns nicht unterlaufen lassen.
      Herrn Paal aber sei dringend etwas Recherche empfohlen.
      er hat Recht darin, daß es peinlich wirkt, sich mit Schaum vor dem Mund gegen Placebos zu wenden, was aber keiner tut. Aber (logisches, wissenschaftliches) Denken kann gelernt werden, wie der Architekt Entwurfstechniken erlernt, der Pianist seine tonleitern übt oder der Kampfsportler seine Katas lernt: nicht durch Verlaß auf eigene Wahrnehmung, sondern durch Basiserwerb. Ich empfehle Herrn Paal dringend, sich ein wenig mit Popper zu befassen oder wenigstens Christoph Bördleins „sockenfressendes Monster in der Waschmaschine“ zu lesen. Seine Argumentation ist eloquent und flüssig, aber falsch.

  2. Joa, man kann alles weiter relativieren (etwas weniger relativiert hab ich das Ganze versucht in meinem Buch „Homöopathie neu gedacht – Was Patienten wirklich hilft“ darzustellen, von dem Sie vielleicht gehört haben). Ich bitte Sie zu bedenken, dass Sie hier propagieren, dass Küsschen auch Medizin sind. Mich persönlich würds nicht stören: http://thesciencepost.com/mom-kiss-just-as-effective-as-homeopathy-for-treating-childrens-pain/

  3. Sie liegen mit Ihrer Kritik an der Kritik falsch.

    Die Misere in der Medizin, die es zweifellos ebenfalls gibt, rechtfertigt keinen pseudomedizinisch-esoterischen Hokuspokus wie Homöopathie, der sich schon viel zu lange und viel zu weitreichend etabliert hat.

    Die Kritik des Informationsnetzwerks Homöopathie richtet sich primär gegen die Globuli, eben die verschieden etikettierten Zuckerkügelchen, deren Wirkung nicht über dem eines Placebo liegt und liegen kann und deren Erklärungsversuche mittels reinem Marketing der Homöopathen bereits gegen die wichtigsten Naturgesetze verstößt, beispielsweise eine „Informationsübertragung“ eklatant gegen den Zweiten Hauptsatz der Thernodynamik! Es gilt hier auch nicht der „derzeitige Wissensstand“, weil der Zweite Hauptsatz auch bei künftigen Erweiterungen gilt. Aber hier erzähle ich Ihnen als naturwissenschaftlich fachkundigem Redakteur hoffentlich nichts Neues (Erkenntnistheorie, Wesen der Naturgesetze, Hypothese-Theorie-Beweis usw.)

    Das Problem ist die Transparenz: die Homöopathen reden bei den Globuli niemals von einem Placebo – sie behaupten, es handele sich um wirksame Medizin! Ansonsten würden sie die selben Zuckerkügelchen auch nicht unterschiedlich etikettieren. Und Sie lassen zu, dass die Patienten weiterhin belogen werden statt dass sie wahrheitsgemäß aufgeklärt werden oder es mindestens in der ärztlichen Fachwelt offiziell ein Konsens herbeigeführt wird, dass Globuli reine Placebos sind – was derzeit NICHT der Fall ist.

    Gestehen Sie bitte auch Kritikern außerhalb des Netzwerkes einen gewissen Ärger zu, wenn sie sich gegen einen derart unhaltbaren Zustand mit wissenschaftlichem Anstrich wie von Ihnen über Twitter zitiert aufregen, der auf der selben „wissenschaftlichen“ Ebene wie beispielsweise Kreationismus agiert.

    Sie müssten eigentlich derjenige sein, der diese Kritik unterstützt und mithilft, diesen größten Schwindel der Medizingeschichte seit der Aufklärung aufzumischen.

    Das Ziel des Infonetzwerkes H. ist weiterhin, das ausführliche Patientengespräch wieder in die Medizin zu überführen, für eine künftig bessere Medizin – esoterikfrei!

  4. „Der Satz “Wer heilt, hat recht” löst offenbar einen Kreisch-Reflex aus – völlig unabhängig vom Kontext, in dem er fällt. Es wird unterstellt, der Satz sei “unlogisch” – was in sich wiederum unlogisch ist, denn die Redewendung ist keine, die mit den Gesetzen der Logik beweis- oder widerlegbar wäre.“
    Unabhängig von logischer Stringenz und unabhängig davon, ob der betreffende GWUP-Artikel die Hürden der High-End-Philosophie nimmt, löst die Phrase „Wer heilt, hat recht“ einen Kreisch-Reflex aus und braucht ihn, da sie auf Therapeutenseite ein selbstgefälliges Zurücklehnen mit einhergehend fehlender Selbstkritik anzeigt und auf Patientenseite eine unkritische und unmündige Hinnahme. Und das auch im Kontext: „Es ist mir primär egal, ob jemand aufgrund schulmedizinisch-klinischer Expertise, spirituell begründet oder placebo-indiziert gesundet.“ (A. Weiß)
    Einige GEZ-Zahler finden wohl die Promotion unkritischen Denkens bedenklich.
    „Man mag beklagen, dass sie sich in weiten Kreisen durchgesetzt hat. Nur: Sie ist heute gesellschaftliche Realität. […] Lohnt sich der Kampf oder sollte man die Energie nicht gegen andere Missstände richten?“
    Bei bestimmten politischen Themen würde mich diese Sentenz gruseln, allgemein: wenn man Probleme nur strikt nach Chartposition abarbeitet, kommt man womöglich auch nicht voran.
    „Wo also ist das “Kritische Netzwerk” gegen Antibiotika-Missbrauch?
    Wo sind die Aufklärungskampagnen gegen unnötige Bandscheiben-, Knie- und Hüft-OPs?“
    http://www.fr-online.de/gesundheit/medikament-kampf-gegen-antibiotika-missbrauch,3242120,32230498.html
    http://www.aerzteblatt.de/archiv/102971
    Darf ich noch bei anderen Recherchen behilflich sein?
    „Ist es wirklich der hilfreichste Ansatz, Plazebos zu entlarven und auszumerzen statt sich ihr Potenzial zunutze zu machen? Die Kritiker argumentieren nach dem Motto “Plazebo gilt nicht”. Andererseits ist ja auch bekannt, dass die ärztliche Ansprache einen großen Einfluss auf die Heilung hat, was ja auch zunehmend in die Mediziner-Ausbildung einfließt. Da sagt auch niemand: “Das müssen wir bekämpfen, ist ja kein Wirkstoff drin”. Die Unterschied ist: Die ärztliche Ansprache wird als “psychische Maßnahme mit einer psychischen Wirkung” wahrgenommen.“
    Spätestens jetzt wäre doch mal der Zeitpunkt gekommen, die Texte des Netzwerks und anderer Homöopathiekritiker zu lesen. Ich greife mal voraus: die Inhalte sind umfangreicher als „Plazebos sind doof“.
    Lassen Sie sich überraschen!

  5. Man sollte unterscheiden zwischen dem Bedürfnis von Patienten, Mittel zu erhalten, die so wirken, wie es die Homöopathie verspricht, und den Homöopathen, Hersteller und deren Vertreter, die eine Methode, die eben nur Placeboeffekte erzeugen kann, als sinnvoll und wirksam propagieren. Homöopathie wird ja nicht nur bei Bagatellerkrankungen eingesetzt, es findet vielmehr eine Normalisierung in der Abwendung allerlei esoterischer Anwendung statt und die Kriterien in der Beurteilung wirksamer Mittel verwischen. Es gibt mittlerweile ( und das war meines Wissens noch vor einem Jahrzehnt noch nicht so) Homöopathen, die behaupten Homöopathie ließe sich auch bei Krebs anwenden.
    Jeder hat ja die Freiheit zu nehmen was er will, aber es sollte sichergestellt sein, dass Fachpersonal, also Ärzte und Apotheker, keine Desorientierung der Patienten betreiben.
    Die Probleme, die es mit der sogenannten Schulmedizin gibt, sind keine Legitimation für Hokuspokus.

    • So richtig aktuell scheinen Ihre Links ja nicht mehr zu sein. Auf der Seite ‚Aktuelles‘ von Skeptizismus.de werden Ereignisse aus dem Jahr 2003 besprochen. Ich schließe daraus, dass sich in den 13 Jahren, die seither vergangen sind, kein weiterer Anlass für seriöse Kritik ergeben hat.

      Also: Vergessen Sie die ollen Kamellen.

  6. > Gefährlich wird die Homöopathie dann, wenn man sich bei schweren Erkrankungen auf sie verlässt und anderen Therapien vorzieht.

    Wer weiß denn bei den ersten auftretenden Symptomen, ob es sich um einen gefährlichen Zustand handelt oder nicht? Wer kann denn bei auftretenden Symptomen eine harmlose Bronchitis von einer bakteriellen Lungenentzündung unterscheiden? Wie soll man reagieren, wenn eine Verschlechterung des Zustandes ein Zeichen für die einsetzende Wirkung des Homöopathikums ist?

    Welches Risiko geht man also ein, wenn man den unkontrolliert verbreiteten positiven Informationen über die so sanfte und doch so wirksame Heilmethode folgt?

    Ich freue mich darüber, dass im Gefolge der Aktivitäten unseres Netzwerkes die folgenden Empfehlungen an junge Mütter vom Netz genommen wurden – von einer Seite, gesponsort vom größten deutschen Hersteller für Homöopathika:

    “ Zur Linderung kannst Du Deinem Baby auch ein bis zwei Globuli folgender homöopathischer Mittel in die Backentasche legen:
    – Dein Kind schnappt nach Luft: grobes Rasseln mit gedunsenem, dunkelrotem Gesicht, es ist zuerst unruhig, dann schläfrig.
    Mittel: Ammonium carbonuicum D12 (bei akuten Fällen alle 1-2 Stunden, nach einem Tag alle 3-6 Stunden)

    – Dein Kind erbricht und würgt: es rasselt, pfeift; zäher Schleim; das blasse Gesicht läuft beim Husten dunkel an; neigt zu Durchfall.
    Mittel: Ipecacuanha D12 (bei akuten Fällen alle 1-2 Stunden, nach einem Tag alle 3-6 Stunden)“

    Natürlich steht auch irgendwo, dass man einen Arzt aufsuchen soll – damit die junge Mutter, die auf diese Weise ihr Baby fast zu Tode kuriert, nun wirklich die Arschkarte in der Hand hat.

    Wenn Sie, lieber GaborPaal, sich dieser Dingen annehmen würden und in Rundfunksendungen dafür eintreten würden, dass Homöopathie tatsächlich nur zu dem niedlichen Stückchen Alltagsschamatismus taugt, mit dem man Erkältungen von sieben Tagen auf eine Woche reduziert, dann brauchte man unser Netzwerk nicht.

  7. Ihre „Lügenpresse“-Eröffnung grenzt hart an Demagogie und dient einzig der Immunisierung gegen Kritik. Motto: „Wer uns kritisiert ist irgendwie Pegida.“
    Nirgends wurde von den Homöopathie-Kritikern eine Verschwörung finsterer Kräfte unterstellt, die die Presse kontrolliert. Es wurde einem konkreten Kommentator vorgeworfen, einen schlecht recherchierten, mit haltlosen und tausendfach widerlegten Pseudo-Argumenten gespickten Artikel publiziert zu haben.
    Dass sich dabei eine Minderheit der Homöopathie-Kritiker mal im Ton vergreift: Je nun. Wer das nicht ertragen kann, der sollte nicht im Internet veröffentlichen. Und selbst der Ausdruck „Schwachkopf“ ist in meinen Augen harmloser als der mit ihrem „Lügenpresse“-Gambit implizierte Antisemitismus-Vorwurf.
    Statt sich den gegen Weiß‘ Kommentar vorgebrachten Sachargumenten konkret zu stellen, flüchten sie sich in eine angemaßte Opferrolle. Kein gutes Bild für einen Wissenschaftsjournalisten.

    • Würden wir uns den Beschimpfungen nicht stellen, würden wir nicht publizieren. Nur, in all den Tweets ist kein einziges Argument gefallen – außer einem einzigen Link auf einen inhaltlich dünnen GWUP-Beitrag. Ich unterstelle Ihnen keinen Antisemitismus – aber es ist ja nun auch nicht beim Schwachkopf geblieben. Da war z.B. von „dressierten Schimpansen“ die Rede – worin der Vorwurf externer Einflussnahme mitschwingt. Das ist nicht weit von „Lügenpresse“.

      • Vielleicht ist Twitter auch nicht der rechte Ort um große sachliche Argumente auszutauschen. Wir stehen gerne auf all unsern Blogs/Webseiten und unter unseren auffindbaren E-Mailadressen zur Verfügung!

      • Argumente in Tweets? Nun gut, wir Kritiker schaffen das immerhin meist besser als die Homöopathen:

        Globuli sind unterschiedlich etikettierte Zuckerkügelchen.

        Globuli wirken nicht jenseits eines Placebo.

        800€ pro Kilo Zucker zu verlangen ist auch eine Art Pharmaindustrie.

        Es gibt kein Wassergedächtnis, Erklärungsversuche verstoßen gegen den Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik.

        Globuli ins Süßwarenregal, direkt neben Ursus Elasticus Aurealis D1.

        argumentum ad populum
        rechtfertigt keine Globuli.

        … usw usf. Alles schonmal dagewesen siehe Hashtag #Homöopathie auf Twitter.

        Ich würde mir wünschen, dass eine Wissenschaftsredaktion sich auch für das Thema Wissenschaft einsetzt und nicht für Politik.

  8. Dass Missstände in der normalen Medizin mehr Schaden verursachen als Missstände in der paranormalen Medizin ist unstrittig. Das ganze Vorhaben der „evidenzbasierten Medizin“, die Errichtung des IQWIG, die gesetzliche Bindung der Leistungen der Krankenkassen an den „Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse“ (ausgenommen bei den „besonderen Therapierichtungen“ wie der Homöopathie) oder Initiativen wie MEZIS oder Choosing Wisely sind Ausdruck des Bewusstseins von diesen Missständen in der normalen Medizin. Darüber einfach hinwegzugehen, ebenso wie über den Stand der medizinethischen Diskussion des Placeboeinsatzes (nachzulesen u.a. in einer Stellungnahme der Bundesärztekammer), zeugt von einem erschreckenden Niveau der Sachkenntnis in der SWR-2-Wissenschaftsredaktion. Mag ja sein, dass gutsituierte SWR-Redakteure eine Neigung zur Homoöopathie haben (Sie gestatten mir hier etwas ad hominem-Polemik, Ihr Beitrag holzt ja auch ordentlich herum), aber sie sollten Meinung und Wissen trennen können. Wenn dann noch aus der mangelnden Honorierung der sprechenden Medizin ein „Patientenrecht auf Alltagsschamanismus“ abgeleitet wird, statt auf eine bessere Honorierung der sprechenden Medizin, und das alles auch noch von der Leitung der Redaktion verteidigt wird, weiß ich auch nicht mehr, was ich sagen sagen soll. Wer rechthaberisch ist, hat noch lange nicht recht.

    • Klar sind diese anderen Initiativen so löblich wie der Versuch, die Qualität von Krankenhäusern zu erfassen. Aber das war jetzt nicht das Thema. Ich persönlich verwende übrigens keine Homöopathie. Aber auch das ist nicht das Thema.

      • Moin
        wie, nicht das Thema? Das Thema haben Sie doch selbst angeschnitten mit „Wo also ist das “Kritische Netzwerk” gegen Antibiotika-Missbrauch?
        Wo sind die Aufklärungskampagnen gegen unnötige Bandscheiben-, Knie- und Hüft-OPs?
        Lauter nutzlose “Heilmethoden”, deren Folgekosten für die Gesellschaft wesentlich höher sind. Es gibt zahllose konventionelle Salben und Tabletten, deren Wirkung sich in vielen Fällen nicht messbar von Homöopathie unterscheidet.“

  9. Werter Herr Paal,
    ich bemühe mich um Verständnis für Ihre Ein- und Ansichten, so richtig gelingt mir das freilich nicht.

    Ich kenne nicht Ihr Alter, weiß deshalb nicht, ob Sie sich selbst daran erinnern können: In meiner Kindheit in den 1960er Jahren klebte an vielen Amaturenbrettern so eine kleine Christopherusplakette und die imposanten Kühler mancher Limousine aus dem Hause Daimler zierte ein verchromtes Hufeisen, welches beileibe nicht auf die reitsportlichen Ambitionen ihres Besitzers hinwies.

    Durchweg ging´s um Unfallverhütung – entweder als originäre Aufgabe des „Schutzheiligen der Reisenden“, oder eben veranlasst durch andere Glückssymbole.

    Nun zeigten die Trümmer der trotzdem verunfallten Autos, dass die Macht der Schutzsymbole in Sachen Risikobegrenzung ein eher zu vernachlässigender Faktor waren. Die Risiken des Autofahrens wurden deutlich gemindert durch konstruktive Maßnahmen an den Kraftfahrzeugen, durch Sicherheitsgurte, Kopfstützen und Airbags, und, was wohl genau so wichtig ist, durch regulatorische Maßnahmen im Straßenverkehr.

    Ähnlich verhält es sich in der Medizin: Ziel der Medizin muss bleiben, objektiv wirksame Therapien und Methoden der Prophylaxe zu entwickeln und jedem zur Verfügung zu stellen, der sie benötigt – nicht aber Placebo-Therapien anzubieten, die im Ernstfall jämmerlich versagen.

    Die Frage, was objektiv wirksam ist, verlangt zur Beantwortung Bewertungskriterien. Die haben wir in einem anstrengenden Prozess über Jahrzehnte hinweg entwickelt.

    Sie basieren unter anderem auf der (oftmals schmerzlichen) Einsicht, dass die Heilkundler der Vergangenheit, gemeint ist damit die Medizin der vorwissenschaftlichen Ära, sich durchweg über die Wirksamkeit vieler Verfahren getäuscht haben.

    Täuschung – Selbst- und Fremdtäuschung – ist das zentrale Problem der Wirksamkeitsbewertung.

    Uns stehen heute Evaluationsmethoden zur Verfügung, mit denen wir mit hoher Sicherheit feststellen können, ob wir es mit einem wirksamen Therapieverfahren zutun haben, oder ob die Phänomene, die wir bei medizinischen Interventionen beobachten, nicht dem Verfahren zuzurechnen sind, sondern nur die unspezifischen Folgen einer Behandlung sind, die genauso auftreten, wenn dem Patienten z.B. ein wirkstofffreies Medikament verabreicht wird.

    Diese Feststellung ist notwendig: Sie trennt wirksame Therapie vom Unfug.

    Führen wir diese Bewertung nicht durch, laufen wir weiterhin (oder wieder) Gefahr, dass sich untaugliche Therapien etablieren. Schon aus diesem Grund ist es, vorsichtig ausgedrückt, viel zu kurz gedacht, unspezifischen Effekte, beispielweise die Placebo-Antwort, als Begründung für die Anwendung einer Therapie zu nutzen.

    Das Problem ist und bleibt: Unspezifische Effekte (Placebo-Antwort) oder natürliche Heilungsverläufe maskieren untaugliche und ggf. gefährliche Heilverfahren. Sie sind Ursache für die Täuschung über die Wirksamkeit, und wir haben Techniken, diese Täuschung als solche zu identifizieren.

    Weil das so ist, ergeben sich Konsequenzen, beispielweise hinsichtlich der Aufklärungspflicht gegenüber dem Patienten: Will ein Patient sich homöopathisch behandeln lassen, entscheidet das Medizinrecht einen Konflikt zwischen Selbstbestimmung und Evidenzbasierung wie folgt: Als vom medizinischen Standard abweichende Behandlung ist die homöopathische Behandlung grundsätzlich dann zulässig, wenn der umfassend aufgeklärte Patient ausdrücklich in ihre Durchführung eingewilligt hat.

    Ausdrückliche Einwilligung bedeutet natürlich, nach präziser und umfassender Unterrichtung durch den Arzt. Diese Unterrichtung verlangt, dass unmissverständlich deutlich gemacht wird, dass mit der Behandlung die Grenzen der Wissenschaftmedizin überschritten werden: Angesichts der derzeitigen Studienlage muss der Arzt den Patienten darüber aufklären, dass es sich bei einer homöopathischen Behandlung nach wissenschaftlichen Maßstäben um eine pharmakologisch wirkungslose Behandlung handelt.
    In wie vielen Fällen das lege artis erfolgt, kann ich nicht beurteilen. Fakt ist aber, dass die ärztliche Verordnung von Homöopathika nur einen geringen Teil des tatsächlichen Verbrauchs repräsentiert.

    Der Respekt vor der Integrität des Patienten müsste also nicht nur zu einer Aufklärung in der Arztpraxis führen, sondern zu einer allgemeinverbindlichen Information über die tatsächliche Natur homöopathischer „Arzneien“ und vergleichbarer Mittel (Bachblüten, Schüßler-Salze etc.).

    Von wenig Anderem sind wir weiter entfernt. Dem gutgläubigen und meist schlecht informierten Durchschnittspatient wird Tag für Tag mit Penetranz suggeriert, er hätte es mit spezifisch wirksamen Medikamenten zutun.

    Täuschung ist also das Grundkonzept der „Alternativen Medizin“; manchmal ein wenig camoufliert durch einen bemüht wissenschaftlichen Terminus, aber es bleibt dennoch Täuschung.

    Was also notwendig ist, ist eine professionelle Flurbereinigung auf dem Markt der kühnen Versprechungen, weil es dem Normalmenschen bekanntlich schwer fällt, Wahn sicher zu identifizieren.

    In diesem Zuammenhang kommt hier den der Aufklärung verpflichteten Medien eine besondere Verantwortung zu.

    Ihre Aufgabe, und die Ihrer Kollegen, werter Herr Paal, ist es, Otto Normalverbraucher und Mütterchen Mü unmissverständlich deutlich zu machen:

    – Placebo-Antworten maskieren untaugliche Heilverfahren;

    – Placebo-Antworten maskieren möglicherweise den tatsächlichen Gesundheitszustand des Patienten;

    – Placebo-Antworten sind kein bestellbares, quantitaiv genau zu bestimmendes Phänomen; in welcher Größenordnung und ob sie überhaupt auftreten, ist im Einzelfall nicht zu ermessen.

    – Die Verordnung von Placebo-Arzneien als Regeltherapie verlangt die Täuschung des Patienten, da der Therapeut, zur Maximierung der Placebo-Antwort, natürlich nicht die pharmakologische Unwirksamkeit der Arznei, sondern vielmehr die Affirmationen in den Vordergrund des therapeutischen Gesprächs stellen wird.

    – Placebo-Gaben als Regeltherapie fördern die Medikamenten-Affinität, da davon auszugehen ist, dass selbst dann, wenn im Grund keine Arzneien verabreicht werden müssten, der Patienten trotzdem mit einer Medikamenten-Verordnung versehen wird.

    Wenn Sie darüber Zweifel haben, werfen Sie vielleicht mal einen Blick in die Helsinki-Deklaration des Weltärztebundes.

  10. Lieber Herr Paàl,
    ich empfinde Ihren Beitrag als eine vertane Chance für einen fairen, konstruktiven Austausch zu einem wichtigen Thema. Alleine schon Ihr Titel, in dem Sie Heilen, Rechthaben und Pöbeln in einer Zeile vereinen, zeigt zumindest mir, dass es Ihnen wohl eher um Provokation, denn um sachliche Argumentation geht. Dann gehts gleich weiter damit, dass Ihr langersehnter Shitstorm endlich eingetroffen sei und das Zitieren einiger bezeichnender Tweets vollenden diesen Eindruck.

    Viel Wichtiges ist nun bereits von den Vorschreibern erwähnt worden, das brauche ich nicht zu wiederholen. Es gibt eigentlich nur ein paar essentielle Dinge, die das Informationsnetzwerk Homöopathie erreichen will:

    * Kein Sonderstatus mehr für die Homöopathie
    * Adäquate Aufklärung für Patient und Therapeut
    * Seriöses Hinterfragen der wie festgemauerten Heilsversprechen der Homöopathie
    * Erbringen eines Wirknachweises

    Was verstört Sie denn daran, dass von der Homöopathie gefordert werden soll, was die Medizin längst erbringen muss? Nämlich den Nachweis, dass sie über Placebo wirkt und nicht nur über die Zuwendung des Behandlers.

    Sollen Kleinkinder schon von Geburt an mit der regelmäßigen „Medikamentengabe“ aufwachsen, da es heutzutage fast kein Wehwehchen mehr gibt, dem die Mutter nicht mit der Gabe eines Kügelchens begegnet? Kinder können noch nicht differenzieren, was ihnen da verabreicht wird. Sie lernen aber daraus, dass es für jedes noch so kleine Problem eine Pille gibt. Auf die Selbstheilungskraft des eigenen Körpers wird somit nicht mehr vertraut und was früher durchs Pusten und liebevolle Streicheln der Mutter von selbst verging, muss heute „therapiert“ werden. Welche Botschaft wird hier vermittelt?
    Hier ein Informationslink zur Initiative, die sich vor allem an Eltern wendet: http://blog.gwup.net/2016/02/22/neue-initiative-vom-netzwerk-homoopathie-susannchen-braucht-keine-globuli/

    Was mir in Diskussionen immer wieder auffällt, ist, dass man anscheinend denkt, das Hinweisen auf einen anderen Mangel würde den eben diskutierten relativieren. Macht es die Homöopathie wirksamer, indem Sie auf die tatsächlich vorhandenen Missstände in der Medizin hinweisen? Diese bestreitet doch niemand, aber sie helfen in der Diskussionen selbst nicht weiter.

    Ich bin nun gespannt auf Ihre Reakton zu all den – wie ich meine – fundierten Argumenten der hier Kommentierenden.

  11. Sehr geehrter Herr Paál,

    vielleicht klappt es ja diesmal mit dem Freischalten meines Kommentares.

    Zwischen einem “wirksamen Plazebo” und “Alltagsschamanismus” gibt es einen höchst problematischen Unterschied. Und der besteht im pseudowissenschaftlichen Überbau. Diese Problematik ignoriert Axel Weiß im ursprünglichen Beitrag – und Sie ignorieren sie nun auf Ihrem privatem Blog.

    Als wissenschaftliche Arbeit zum Thema möchte ich zitieren aus

    Schöne-Seifert/Friedrich/Reichardt: CAM-Präparate als therapeutische Placebos: wissenschaftstheoretische und medizinethische Überlegungen;

    „Die ,Integration‘ von CAM-Interventionen durch die Konventionelle Medizin ist gegenwärtig in Deutschland wie in anderen Ländern ein ebenso reales wie umstrittenes Projekt. Eine der ,Rechtfertigungs-Türen‘, durch die CAM-Maßnahmen auch dann akzeptiert werden, wenn sie nach den wissenschaftlichen Maßstäben der Konventionellen Medizin klarerweise keine spezifische Wirksamkeit zeigen, ist ihr Einsatz als therapeutische Placebos. (…)
    Die gemeinsame Anwendung wissenschaftlich begründeter und komplementärmedizinischer Verfahren im Sinne der sogenannten integrativen Medizin negiert widersprüchliche Paradigmen und widerspricht dem Grundsatz, wonach jeder Bestandteil einer Therapie einen eigenständigen und nachweislichen Beitrag zu leisten hat.
    CAM-Maßnahmen unter Ausnutzung ihres Charismas bewusst als bloße therapeutische Placebos einzusetzen, adelt auf fatale Weise die Wissenschaftsskepsis vieler CAM-Befürworter.
    (…)
    Ärztliche Empathie und Zuwendung sind im Rahmen der wissenschaftlich fundierten Behandlung wesentliche Elemente einer patientenorientierten Medizin. Diese sind in Teilen ebenfalls wissenschaftlich begründbar und bilden die Basis für die optimale Wirksamkeit der wissenschaftlich orientierten Medizin. Diese im ärztlichen Alltag nicht leicht zu erbringende Aufgabe sollte nicht im Vertrauen auf Kontexteffekte an CAM oder eine Placebogabe delegiert werden.“

    Aufklärungsarbeit über den Placebocharakter der Homöopathika schlecht zu reden bedeutet, sich in aller Öffentlichkeit gegen die Stimme der Vernunft und des Verbraucherschutzes zu stellen. Denn Homöopathie gegen Kritik zu schützen bedeutet,

    – dass wir pathologische Forschung gutheißen, die keinerlei Auswirkung auf die homöopathische Behandlungspraxis hat und die nur dem einen Zwecke dient, nämlich dem Patienten vorzugaukeln man wäre ach so nahe dran am Nachweis, dass Zucker gezielte Wirkungen entfalten kann

    – dass wir gutheißen, dass angehende Ärzte auf Universitäten pseudowissenschaftliche Inhalte wie die Repertorien und das im Widerspruch zur Physik stehende Prinzip der Potenzierung lernen. Dass wir also eine Generation Ärzte ausbilden, von der wir gar nicht mehr wissen, ob sie überhaupt weiß, dass Homöopathika Placebos sind

    – dass wir gutheißen, dass Bauchgefühl und saubere wissenschaftliche evidenzbasierte Methodik als gleichberechtigte Nachweisverfahren zur Bestimmung des Risiko/Nutzenverhältnisses medizinischer Verfahren dargestellt werden – ebenso wie wissenschaftlich kritisches Denken und vorwissenschaftliche Weltbilder

    Ich möchte an die Worte von Jürgen Windeler erinnern: „Die These, Außenseitermedizin sei nichts als Placebo-Therapie, ist eigentlich eher ein Lob als ein Vorwurf. Denn der Mensch heilt sich in einem hohem Maß selber, Hauptsache, er wird auf irgendeine Weise behandelt und glaubt daran. Also: Placebos einsetzen, sofern keine wissenschaftsmedizinisch bewährte Therapie bekannt ist: uneingeschränkt ja. Aber, damit verbunden, pseudowissenschaftlichen Unsinn verbreiten: nein.“

    Bei der Homöopathie hat Letzteres die Überhand gewonnen, ist aber zumindest nicht von ihr zu trennen. Und genau deshalb sollte man ein hierzu wissenschaftlich informierendes Netzwerk nicht schlecht machen. Schon gar nicht mit einem billige „Tu Quoque-Fehlschluss“.

  12. Lieber Herr Paàl,
    ich empfinde Ihren Beitrag als eine vertane Chance für einen fairen, konstruktiven Austausch zu einem wichtigen Thema. Alleine schon Ihr Titel, in dem Sie Heilen, Rechthaben und Pöbeln in einer Zeile vereinen, zeigt zumindest mir, dass es Ihnen wohl eher um Provokation, denn um sachliche Argumentation geht. Dann gehts gleich weiter damit, dass Ihr langersehnter Shitstorm endlich eingetroffen sei und das Zitieren einiger bezeichnender Tweets vollenden diesen Eindruck.

    Viel Wichtiges ist nun bereits von den Vorschreibern erwähnt worden, das brauche ich nicht zu wiederholen. Es gibt eigentlich nur ein paar essentielle Dinge, die das Informationsnetzwerk Homöopathie erreichen will:

    * Kein Sonderstatus mehr für die Homöopathie
    * Adäquate Aufklärung für Patient und Therapeut
    * Seriöses Hinterfragen der wie festgemauerten Heilsversprechen der Homöopathie
    * Erbringen eines Wirknachweises

    Was verstört Sie denn daran, dass von der Homöopathie gefordert werden soll, was die Medizin längst erbringen muss? Nämlich den Nachweis, dass sie über Placebo wirkt und nicht nur über die Zuwendung des Behandlers.

    Sollen Kleinkinder schon von Geburt an mit der regelmäßigen „Medikamentengabe“ aufwachsen, da es heutzutage fast kein Wehwehchen mehr gibt, dem die Mutter nicht mit der Gabe eines Kügelchens begegnet? Kinder können noch nicht differenzieren, was ihnen da verabreicht wird. Sie lernen aber daraus, dass es für jedes noch so kleine Problem eine Pille gibt. Auf die Selbstheilungskraft des eigenen Körpers wird somit nicht mehr vertraut und was früher durchs Pusten und liebevolle Streicheln der Mutter von selbst verging, muss heute „therapiert“ werden. Welche Botschaft wird hier vermittelt?
    Hier ein Informationslink zur Initiative, welche sich vor allem an Eltern wendet: http://blog.gwup.net/2016/02/22/neue-initiative-vom-netzwerk-homoopathie-susannchen-braucht-keine-globuli/

    Was mir in Diskussionen immer wieder auffällt, ist, dass man anscheinend denkt, das Hinweisen auf einen anderen Mangel würde den eben diskutierten relativieren. Macht es die Homöopathie wirksamer, indem Sie auf die tatsächlich vorhandenen Missstände in der Medizin hinweisen? Diese bestreitet doch niemand, aber sie helfen in der Diskussion selbst nicht weiter.

    Ich bin nun gespannt auf Ihre Reaktion zu all den – wie ich meine – fundierten Argumenten der hier Kommentierenden.

  13. Mal von all den Argumenten abgesehen, die bisher schon hier vorgebracht wurden: Homöopathie zählt aufgrund des mangelnden wissenschaftlichen Fundaments je nach Blickwinkel entweder zur Esoterik oder zum Aberglauben. Da gerade bei der Homöopathie auch noch dogmatische Tendenzen plus Immunisierungsstrategien hinzutreten, kann man sie als Feind einer offenen Gesellschaft identifizieren, ein Problem, das bereits Popper in anderer Hinsicht ausgemacht hat. Sie sehen also, die Homöopathie-Kritik geht weit über die Wirksamkeitsdiskussion und das (eigentlich unzulässige) finanzielle Nutzenargument hinaus, denn sie bedroht die Grundlagen der Aufklärung und der Wissenschaftsfreiheit.
    Möchten Sie dies wirklich unterstützen?

  14. Sehr geehrer Herr Paál,

    die zitierten Primatenvergleiche sind albern und eher dümmlich. Darf man sich gerne darüber aufregen.

    So, wie man sich (ich z.B.) über den Satz „Wer heilt, hat recht!“ aufregt. Und ja, ich schreie da auf, besonders wenn einem wissenschaftlich orientierten Journalisten (hier: Sie) nicht sofort klar ist, warum man da aufschreit. Er ist eine rhetorische Hohlfloskel, die gerade wissenschaftlich gebildete Menschen schmerzen sollte.

    Eingedampft auf das Wesentliche bedeutet das nur: Wer recht hat, hat recht. Toll, oder? Mit diesem Killersatz umgeht man unverschämt das eigentliche, wesentliche Problem, in der es in der Wissenschaft eigentlich dauernd geht, zwischen Kausalität und Korrelation zu unterscheiden und vor allem raus zu finden, *ob und *was den da überhaupt geheilt hat. Letztlich ist dieser Satz eine Komplettignorierung der wissenschaftlichen Methodik.

    Gestatten, dass ich aufheule, wenn sowas von einem ÖR-Wissenschaftsjournalisten kommt.

    Falls sie es ausführlich wollen:
    https://www.psiram.com/ge/index.php/Wer_heilt_hat_Recht

    Ich möchte auch kurz, etwas bösartig, gebe ich zu, ihre weitere Argumentation aufgreifen: Treiben Sie Sport? Wie können sie sowas tun, wo doch weltweit dauernd Menschen verhungern. Und Sie verbrauchen extra Kalorien.

    Über den Mechanismus von Placebo sich zu vertiefen wäre auch sehr sinnvoll. Das Problem an Placebo ist die Nichtdosierbarkeit, und vor allem das Problem, das Placebo im Wesentlichen ein Wahrnehmungseffekt ist. Was bedeutet, je ernsthafter eine Erkrankung ist, desto beruhigter und zuversichtlicher stirbt man genau so schnell wie ohne Behandlung. Homöopathen haben wenig Todesfälle. Die kritischen Patienten werden rechtzeitig in die Klinik abgeschoben, damit die dann schuld ist.

    Wie auch schon in anderen Kommentaren erwähnt: Auch bei moderner Medizin gibt es Placebo oben drauf. Und warum man Medikamente gegen Placebo und nicht gegen Nichts testet, sollte man auch mal reflektieren.

    Niemand hat etwas gegen Homöopathie, solange sie sich nicht wissenschaftlich tarnen will. Jeder darf straffrei Horoskope lesen, aber es ist halt einfach unerträglich, wenn sowas an Universitäten gelehrt werden soll. Da kann man auch Kreationismus im Biostudium einführen. Wenn ich mich auf Magie und Zauberei einlasse, ist das mein Bier und das der Anderen. Wenn ich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen behandelt werden will, mir aber Magie untergejubelt wird, dann ist das eine Sauerei. Um nichts anderes geht es hier.

    Vielleicht sollten Sie einfach mal den alten Karl Popper wieder zur Hand nehmen.
    Jeder greift mal ins Klo, und es wäre ein Zeichen von Größe, wenn Sie es zugeben würden. Muss ja nicht in drastischen Worten sein.

  15. „Gábor Paál
    (SWR)Im SWR leite ich seit November 2015 die Wissenschaftsredaktion des Hörfunks. Moderiere u. a. die SWR2-Sendungen Campus, Forum, betreue das Archivradio und die Höreraktion 1000 Antworten und arbeite an der Radio Akademie mit.“

    Sieh an, dann sind es inzwischen ZWEI, die weder von Wissenschaft noch Logik Ahnung haben, und von Homöopathie erst recht nicht.

    Nun denn, ganz langsam zum Mitdenken: Homöopathie ist ein Netzwerk von Betrugen, die sich gegenseitig decken bzw sich gegenseitig hebeln.

    “Homöopathie: Das Rätsel der “Erstverschlimmerung” gelöst”
    http://ariplex.com/folia/archives/565.htm

    “Homöopathie: Die “Potenzierung” ist entlarvt als ein Hütchenspielertrick”
    http://ariplex.com/folia/archives/570.htm

    “Homöopathie ist nichts anderes als Trickbetrug und organisierte
    Kriminalität und Korruption”
    http://ariplex.com/folia/archives/585.htm

    “Beweisstück der Anklage: Auszug aus dem Homöopathischen Arzneibuch”
    http://ariplex.com/folia/archives/643.htm

    “Beweisstück der Anklage: das Homöopathische Arzneibuch”
    http://ariplex.com/folia/archives/647.htm

    “Homöopathie ist kein Placebo!”
    http://ariplex.com/folia/archives/1350.htm

    Die Behauptung “In Homöopathie ist nichts drin” ist grundfalsch. 2012 wurde von den deutschen homöopathika-Herstellern mit “Komplexhomöopathie” mehr als die Hälfte des Umsatzes von 453 Mio Euro gemacht.

    Bei “Komplexhomöopathie” wird durchaus unverdünnte Rohtinktur eingesetzt. Von Verdünnung oder gar Potenzierung kann also keine Rede sein.

    Homöopathie ist Betrug, und nichts als Betrug, mit dem im Größtmaßstab (siehe die Umsätze) die Bevölkerung um Milliarden gebracht wird, denn die Kosten der Homöopathika sind nur ein Bruchteil der insgesamt angerichteten wirtschaftlichen Schäden. Von den gesundheitlichen Schäden einmal abgesehen, denn die Konditionierung in Schmerz ist Folter, und die medizinische Mangelversorgung ist noch ein Verbrechen obendrauf.

    Im übrigen:

    „Wenn Journalisten pfuschen“
    http://ariplex.com/folia/archives/406.htm

  16. „Also wenn ich alleine meine Fernsehzeitung ansehe, finde ich im hinteren Teil regelmäßig von der Pharmaindustrie bezahlte Beiträge“
    Sehr geehrter Herr Paál,
    da frage ich mich, auf welchem Auge Sie blind sind, wenn Sie die Globuli und Schüssler-Werbung in den Zeitschriften NICHT sehen.
    Wenn auch der Placebo-Effekt durchaus wirksam ist, dann sollen die Zuckerkügelchen-Vertreter es doch einfach zugeben, dass es nur dieser Effekt ist und nicht verdünnte Scheiße, Benzole, Mondlicht, Pest-Bazillen oder Uran als wissenschaftlich abgesicherte Therapie anbieten.
    Hinterfragen Sie doch lieber, warum ein normaler Hausarzt für seine Untersuchung weniger bekommt (ergo sich weniger Zeit nehmen kann) als ein „alternativer Arzt“. Hinterfragen Sie doch bitte den Binnenkonsens.
    DAS ist die Aufgabe einer Wissenschaftsredaktion, schließlich sind wir nicht mehr im Mittelalter.
    Glaubensdiskussionen – wer heilt hat recht – können Sie bei „Die Kirche bleibt im Dorf“ führen, da gehören sie nämlich hin.

  17. Lieber Herr Paal, sich wenn wir auf Twitter ein wenig herumblödeln, dies wollte ich Ihnen noch im Ernst sagen. Sie beschweren sich (zu Recht), dass die Twitterkommentare auf Herrn Weiß´ Artikel ohne Argumente gewesen wären. Nun schreiben wir uns hier die Finger wund mit Argumenten – aber lässt Sie das umdenken? Bringt es irgendwas? Nein. Null Reaktion. Kein Dialog. Auf Twitter nur ein kleines „Nee“. Werden wir also beim nächsten Mal, wo wieder jemand fälschlicherweise „Wer heilt, hat recht“ schreibt und nicht für bessere Medizin sondern für mehr „Alltagsschamanismus“ ist, gelassen und sachlich reagieren – wohlwissend, dass sachliche und ruhig vorgebrachte Argumente genau NULL bringen? Ich denke, Menschen wie Sie und Herr Weiß tragen eine Mitschuld daran, dass Kritiker der Homöopathie zynisch, sarkastisch und nur noch genervt sind. Selbst die besten Argumente führen ins Nichts.

    • Liebe Frau Grams, wir haben auf SWR2 mehrere hunderttausend Hörer. Wenn ich mit jedem, dem ein Beitrag von mir nicht gefällt, in einen Einzeldialog treten würde, käme ich nicht mehr zu meiner eigentlichen Arbeit. Das gilt analog für meine Blogbeiträge. Nun war der Kommentar in SWR2 ja gar nicht von mir – deshalb sehe ich auch keinen Anlass, dass ich ihn inhaltlich kommentiere. Kommentare drücken immer die persönliche Meinung des Autors aus, nicht die Meinung der Redaktion. Was ich als Redaktionsleiter dazu zu sagen habe, steht im Gästebuch von SWR2. Stellen Sie sich – was durchaus hätte passieren können – den umgekehrten Fall vor: Der Kommentar hätte einen anderen Tenor gehabt – dann hätten wir Prügel von der anderen Seite bekommen, dann hätten die Hömoopathen Endlos-Diskussionen angezettelt und einen Protest organisiert… Wie auch immer, hier, in diesem Blog, steht nur mein Blogbeitrag zur Diskussion. Dieser Beitrag entstand in meiner Freizeit am Wochenende. Ich habe mich darin als Bürger geäußert, nicht als Redaktionsleiter. Unter der Woche habe ich anderes zu tun. Und Sie haben ja gesehen, was passiert, wenn ich auf einzelne Kommentare eingehe – sofort kommen wieder eine Handvoll Repliken. Das ist nicht zu schaffen.
      Meine Meinung zum Satz „Wer heilt, hat recht“, habe ich dargelegt. Ich möchte das nicht wiederholen. Sie können das gerne anders sehen, ich nehme Ihre Argumente auch zur Kenntnis, aber es ist mein gutes Recht, nicht überzeugt zu sein. Ich habe hier meine Argumente gebracht, Sie haben reagiert. Ist ja ok. Jetzt kann ich nochmal reagieren und Sie werden wieder reagieren. Aber zu erwarten, dass wir diskutieren, bis ich mich Ihrer Position anschließe (oder Sie sich meiner, könnte ja auch sein…), könnte sehr lange dauern. Wie gesagt, wir streiten ja nicht um Wissenschaft, sondern um eine politische Bewertung. Bewertungen sind aber wissenschaftlich grundsätzlich nicht beweisbar. Sie müssen sich, auch wenn es schwer fällt, damit anfreunden, dass das was Sie für die einzig richtige Wahrheit halten, von anderen Menschen anders gesehen wird. „Menschen wie Sie und Herr Weiß tragen eine Mitschuld daran, dass Kritiker der Homöopathie zynisch, sarkastisch und nur noch genervt sind.“ – Mit solchen Äußerungen wäre ich sehr vorsichtig. Sie bedeuten übersetzt: „Wer sich unserer Meinung nicht anschließt, ist selber schuld, wenn wir aggressiv werden.“ Mich hat dieser Satz spontan an Möllemann erinnert: „Niemand fördert den Antisemitismus so wie Michel Friedmann.“ Sie sind erwachsene Leute, Sie kämpfen für eine Sache, das ist ihr gutes Recht, aber wenn ich das sagen darf: Sie sollten auch lernen, mit Kritik und mit Andersdenkenden professioneller umzugehen. Ich kann Sie aber trösten: Wir sind Prügel auch von anderer Seite gewohnt. Meine Journalistenerfahrung: „Schreibst Du zu Klima, Kirche und Nahost, kriegst Du immer ganz viel Post“… Ich werde mir jetzt noch eine Zeile einfallen lassen, die sich auf Homöopathie reimt…

  18. Wir haben es bei der Rechtfertigung der Homöopathie (speziell der Globuli) nicht mit Meinungen zu tun, sondern mit der marketingtechnischen Unterwanderung von Fakten mit Lügen und Intransparenz. Bei einer Meinung sind wir bei Homöopathie noch gar nicht angelangt. Will das in Ihren Kopf rein?

      • Keine Fakten bringen, sich aber über den „Ton“ der Kritik beschweren – ein typisches Verhalten der Esotter.

        Auf die von mir vorgelegten Fakten haben Sie nicht geantwortet. Warum nicht?

        Haben SIE denn absolut keine Fakten? Und mit Fakten meine ich FAKTEN, weder Geschwafel noch irgendwelche Ausweichmanöver oder weinerliche Anklagen gegen die bösen Kritiker. Ich meine FAKTEN.

        Übrigens: Durch Homöopathie sterben mehr Menschen als durch die Drohnen der USA gegen die Terroristen im Nahen Osten. Vor allem auch Kinder!

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