Was Sie und ich über Tee noch nicht wussten

Die Ökobilanz von Tee ist weitaus besser als die von Kaffee. Das ist wenig bekannt. Bekannt ist die Behauptung, dass Grüner Tee unglaublich gesund ist. Dafür fehlen wiederum die Beweise. Es gibt eine ganze Menge bekannter Tee-Mythen und wenig bekannter Tee-Fakten.

Jahrzehntelang habe ich Tee vor allem getrunken. Die Frage, die ich mir immer gestellt habe: Warum löst bei mir die Kombination aus Tee und geistiger Nahrung immer so ein euphorisches Gefühl aus? Was im Tee ist es? Das war Auslöser für meine Sendung über die Wirkung von Tee. Dann ging es weiter, und ich habe im zurückliegenden Jahr viel über Tee gelernt, auch auf einer großen Tee-Plantage in Darjeeling sowie auf einer kleinen Tee-Farm in der nepaleischen Tee-Region Ilam (wo im Grunde der gleiche Tee entsteht wie in Darjeeling, nur dass er nicht so heißen darf).

Aus dieser Beschäftigung ist inzwischen ein Feature und eine ganze Reihe von Beiträgen entstanden mit Fakten, die selbst viele Tee-Experten überraschen dürften. Wer weiß schon, dass die USA mal eine große Tee-Nation waren? Oder dass Tee, der länger als 5 Minuten zieht, keineswegs „beruhigt“? Viel Spaß damit – und wenn Sie noch Fragen haben oder das alles mal als Vortrag wollen, melden Sie sich!

PS: Die Frage nach der Euphorie konnte ich nicht abschließend beantworten. Es gibt dazu keine Forschung. Vermutlich ist es schlicht das Koffein.

Tee-Farm in der Nähe von Fikkal/Ilam

Jób Paál

Arthur Schnitzler vermerkt am 28. Juli 1931 in seinem Tagebuch: „Nm. Hr. Job Paal, ung. Journalist, dem ich ein Interview verweigere und der mich interviewt. Sein Sohn.“ Der Wiener Germanist Martin Anton Müller hat mich kürzlich auf diesen Tagebucheintrag aufmerksam gemacht – und auf das Interview bzw. eben Nicht-Interview, das mein Großvater damals in Semmering mit ihm geführt hat. Martin Anton Müller hat auch einen Wikipedia-Artikel über Jób Paál angelegt, der mit Hilfe meines Kollegen Maximilian Schönherr und meinen eigenen Recherchen ergänzt wurde. Beim „Sohn“, den Arthur Schnitler erwähnt – und der auch im Zeitungsartikel Erwähnung findet, handelt es sich wiederum um meinen Vater János Paál.

Vierzig ungarische Jahre 1916 – 1956: jetzt als pdf

Vor mehr als zehn Jahren erschien die Autobiographie meines Vaters, János Paál. Im Alter von 40 Jahren war er 1956 aus Ungarn geflohen – wie hunderttausend andere. Er war Zeitzeuge verschiedener Entwicklungen in Ungarn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts:

Als Schüler am berühmten Rabbinerseminar in Budapest schließt er sich der zionistischen Bewegung an. Als junger Arzt er- und überlebt er deutsche und ungarische Faschisten. Später wird er mit seiner Frau in die berüchtigten kommunistischen Schauprozesse verwickelt. Sie wird inhaftiert, er in die Provinz verbannt. Als sie sich nach vier Jahren wiedersehen, spitzt sich die politische Lage zu. Es kommt zum Volksaufstand.

Das Buch erschien 2006 bei Books on Demand. Da es nicht mehr erhältlich ist, steht es ab sofort hier als pdf zur Verfügung (oder aufs Cover klicken).

Wer heilt, hat mehr recht, als wer pöbelt.

Jetzt sind wir auch mal Lügenpresse. Sonst werden ja immer nur die KollegInnen aus den Politikressorts mit wüsten Beschimpfungen bedacht und wir Wissenschaftsredaktionen gehen leer aus. Der Kommentar von Axel Weiß in SWR2 Campus zum derzeitigen Aktivismus gegen die Homöopathie sorgt nun für ein bisschen Gerechtigkeit. Endlich der langersehnte Shitstorm. Aber im Ernst: Weiterlesen

Selbstverbrennung: Aktivismus-Debatten in Wissenschaft und Journalismus

An Hans Joachim Schellnhuber scheiden sich die Geister ja nicht zum ersten Mal. Ein Aspekt dabei fällt mir aber erst jetzt auf, in der Diskussion um sein neues Buch „Selbstverbrennung“: Nämlich die Parallele zwischen den Aktivismus-Debatten in Wissenschaft und Journalismus. Im Grunde ein weiterer Hinweis auf die Konvergenz zwischen beiden Systemen.

„Das Ende des Staunens – Ist die Ära der großen wissenschaftlichen Entdeckungen vorbei?“

Die Nobelpreise stehen bevor, die Allgemeine Relativitätstheorie wird 100 Jahre alt und Markus Bohn, langjähriger Leiter der SWR-Wissenschaftsredaktion, verabschiedet sich in den Ruhestand. Anlässe genug, um zu seinem Abschied mit ihm diese zugegebenermaßen steile These im SWR2 Forum zu diskutieren.

Blicken wir mal hundert Jahre zurück: Die Wissenschaft erlebte damals einen Aha-Effekt Weiterlesen

Geoethik und Anthropozän

Es ist bisher noch nicht vorgekommen, dass mich eine eigene, von mir moderierte Sendung zu einem nachträglichen Kommentar provoziert. Doch die Diskussion zum Anthropozän im SWR2 Forum hat mich dazu veranlasst, meine Gedanken dazu nochmal auf Spektrum.de zu formulieren. Mir scheint: Die These, wonach wir in einem neuen Erdzeitalter leben, ist wissenschaftlich reizvoll, droht jedoch auszufransen.

IMG_1266Gleichzeitig diskutieren Geowissenschaftler verstärkt über die Notwendigkeit einer Geoethik bzw. versuchen, den Begriff mit Inhalt zu füllen. Ich habe dazu schon vor ein paar Jahren mal einen Vorschlag gemacht, und merke jetzt, dass das Anthropozän mit diesem Konzept gut korrespondiert. Die Tagung der EGU in Wien im April 2015 hatte die Geoethik ja auch auf der Tagesordnung. Ich konnte nicht dabei sein – die Sendung von Wolfgang Däuble im ORF (leider nicht mehr downloadbar) bildet die Diskussion jedoch sehr gut ab. Im Grunde gibt es zwei Ansätze: Den einen könnte man zusammen fassen als: Geoethik als Ethik der Geowissenschaften: Welche Verantwortung haben Forscher, wenn es um Fracking, Geoengineering, Bergbau, aber auch Kastrophenvorsorge geht. Der zweite Ansatz (den ich bisher auch vertreten habe) versteht den Begriff etwas weiter: Die Geoethik widmet sich demnach denjenigen ethischen Fragen, die sich aus den globalen – nicht nur, aber vor allem auch: ökologischen – Veränderungen ergeben. Sie adressiert (analog der Bioethik) demnach nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Politik, die die entsprechenden Rahmenbedingungen auch für unser eigenes Verhalten setzt. Zu den Vertretern dieser Richtung gehört unter anderem David Mogk von der Montana State University. Ich war positiv überrascht, in der genannten Sendung zu hören, dass er ebenfalls die Parallele zum Anthropozän zieht.

Aus meiner Sicht haben beide Ansätze, Geoethik zu begreifen, ihre Berechtigung und können sich ergänzen. Es gibt ja auch nicht nur „eine“ Bioethik. Definitionsfragen sind wissenschaftlich nicht entscheid-, nur plausibilisierbar – das gilt für die Geoethik ebenso wie fürs Anthropozän. Hier also der ganze Kommentar.

11.7.2015: Ist der Papst ein verkappter Geoethiker? Die Frage stellt sich nach der Veröffentlichung seiner Enzyklika Laudato si‘. Ich habe sie hier auch nochmal kurz aufgegriffen.

 

Haben Sie fachspezifische Träume?

Ich träume oft von Orten.IMG_1491
Die Handlungen verblassen in der Erinnerung. Die Orte bleiben im Gedächtnis, und von manchen Orten und Gegenden träume ich immer wieder, unabhängig davon, ob ich schon mal dort war oder nicht. Es sind oft auch keine realen Orte. Die Erde in diesen Träumen ist Weiterlesen

Wo Luhmann sich verrannt hat: Konvergenzen von Wissenschaft und Journalismus

Zwischen Wissenschaft und Medien sind gewisse Konvergenzen zu beobachten. Diese widersprechen der Theorie Luhmanns, der zufolge Wissenschaft und Journalismus unterschiedlichen „Codes“ folgen: Nämlich „Wahrheit“ (im Fall der Wissenschaft) und „Neuheit/Information“ im Fall der Medien. Dies ist die Kernbotschaft meines Artikels „Wo Niklas Luhmann sich verrannt hat“, der heute in „Meta“ erschienen ist,  Weiterlesen

In Syria before the war

Galerie

Diese Galerie enthält 15 Fotos.

Dies sind Bilder von einer Reise nach Syrien 2008. Ziel waren Recherchen für mein Feature „Der letzte Acker vor der Wüste“. Das Internationale Agrarforschungszentrum für die Trockengebiete ICARDA befand sich in Aleppo. Mehrere hundert Mitarbeiter aus der ganzen Welt arbeiteten und forschten dort gemeinsam. … Weiterlesen