Journalismus und andere Forschungsmethoden

Autor: GaborPaal (Seite 1 von 2)

Jób Paál

Arthur Schnitzler vermerkt am 28. Juli 1931 in seinem Tagebuch: „Nm. Hr. Job Paal, ung. Journalist, dem ich ein Interview verweigere und der mich interviewt. Sein Sohn.“ Der Wiener Germanist Martin Anton Müller hat mich kürzlich auf diesen Tagebucheintrag aufmerksam gemacht – und auf das Interview bzw. eben Nicht-Interview, das mein Großvater damals in Semmering mit ihm geführt hat. Martin Anton Müller hat auch einen Wikipedia-Artikel über Jób Paál angelegt, der mit Hilfe meines Kollegen Maximilian Schönherr und meinen eigenen Recherchen ergänzt wurde. Beim „Sohn“, den Arthur Schnitzler erwähnt – und der auch im Zeitungsartikel Erwähnung findet, handelt es sich wiederum um meinen Vater János Paál.

Vortrag

János Paál: Von Budapest nach Buchschlag. Verfolgung, Aufstand, Flucht.

Mittwoch 4. März 2020, 20 Uhr
Gemeindesaal ev. Versöhnungsgemeinde, Dreieich-Buchschlag, Buchweg 10
Veranstalter: Geschichtsverein Buchschlag. Eintritt: 5 €.

2006 erschien die Autobiographie meines Vaters, János Paál. Im Alter von 40 Jahren war er 1956 aus Ungarn geflohen – wie hunderttausend andere. Er war Zeitzeuge verschiedener Entwicklungen in Ungarn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts:

János Paál war Sohn des damals berühmten ungarischen Journalisten Jób Paál. Als Schüler am berühmten Rabbinerseminar in Budapest schließt er sich der zionistischen Bewegung an. Als junger Arzt er- und überlebt er deutsche und ungarische Faschisten. Später wird er mit seiner Frau in die berüchtigten kommunistischen Schauprozesse verwickelt. Sie wird inhaftiert, er in die Provinz verbannt. Als sie sich nach vier Jahren wiedersehen, spitzt sich die politische Lage zu: Es kommt zum Volksaufstand 1956 – und seiner Niederschlagung.

János Paál flieht nach Wien, dann weiter nach Deutschland, wo er sich als Neurologe, Psychiater und Psychoanalytiker in Dreieich niederlässt. Dort engagiert er sich für die psychotherapeutische Weiterbildung von Ärzten, um den steigenden Bedarf an psychotherapeutischer Behandlung zu decken. 

Das Buch widmet sich der Zeit bis 1956. Da es nicht erhältlich ist, steht es hier im epub-Format und hier als pdf zur Verfügung (oder aufs Cover klicken).

„Das Ende des Staunens – Ist die Ära der großen wissenschaftlichen Entdeckungen vorbei?“

Die Nobelpreise stehen bevor, die Allgemeine Relativitätstheorie wird 100 Jahre alt und Markus Bohn, langjähriger Leiter der SWR-Wissenschaftsredaktion, verabschiedet sich in den Ruhestand. Anlässe genug, um zu seinem Abschied mit ihm diese zugegebenermaßen steile These im SWR2 Forum zu diskutieren.

Blicken wir mal hundert Jahre zurück: Die Wissenschaft erlebte damals einen Aha-Effekt nach dem anderen: Relativitäts- und Quantentheorie revolutionierten die Physik.

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Geoethik und Anthropozän

Es ist bisher noch nicht vorgekommen, dass mich eine eigene, von mir moderierte Sendung zu einem nachträglichen Kommentar provoziert. Doch die Diskussion zum Anthropozän im SWR2 Forum hat mich dazu veranlasst, meine Gedanken dazu nochmal auf Spektrum.de zu formulieren. Mir scheint: Die These, wonach wir in einem neuen Erdzeitalter leben, ist wissenschaftlich reizvoll, droht jedoch auszufransen.

IMG_1266Gleichzeitig diskutieren Geowissenschaftler verstärkt über die Notwendigkeit einer Geoethik bzw. versuchen, den Begriff mit Inhalt zu füllen. Ich habe dazu schon vor ein paar Jahren mal einen Vorschlag gemacht, und merke jetzt, dass das Anthropozän mit diesem Konzept gut korrespondiert. Die Tagung der EGU in Wien im April 2015 hatte die Geoethik ja auch auf der Tagesordnung. Ich konnte nicht dabei sein – die Sendung von Wolfgang Däuble im ORF (leider nicht mehr downloadbar) bildet die Diskussion jedoch sehr gut ab. Im Grunde gibt es zwei Ansätze: Den einen könnte man zusammen fassen als: Geoethik als Ethik der Geowissenschaften: Welche Verantwortung haben Forscher, wenn es um Fracking, Geoengineering, Bergbau, aber auch Kastrophenvorsorge geht. Der zweite Ansatz (den ich bisher auch vertreten habe) versteht den Begriff etwas weiter: Die Geoethik widmet sich demnach denjenigen ethischen Fragen, die sich aus den globalen – nicht nur, aber vor allem auch: ökologischen – Veränderungen ergeben. Sie adressiert (analog der Bioethik) demnach nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Politik, die die entsprechenden Rahmenbedingungen auch für unser eigenes Verhalten setzt. Zu den Vertretern dieser Richtung gehört unter anderem David Mogk von der Montana State University. Ich war positiv überrascht, in der genannten Sendung zu hören, dass er ebenfalls die Parallele zum Anthropozän zieht.

Aus meiner Sicht haben beide Ansätze, Geoethik zu begreifen, ihre Berechtigung und können sich ergänzen. Es gibt ja auch nicht nur „eine“ Bioethik. Definitionsfragen sind wissenschaftlich nicht entscheid-, nur plausibilisierbar – das gilt für die Geoethik ebenso wie fürs Anthropozän. Hier also der ganze Kommentar.

11.7.2015: Ist der Papst ein verkappter Geoethiker? Die Frage stellt sich nach der Veröffentlichung seiner Enzyklika Laudato si‘. Ich habe sie hier auch nochmal kurz aufgegriffen.

 

Wo Luhmann sich verrannt hat: Konvergenzen von Wissenschaft und Journalismus

Zwischen Wissenschaft und Medien sind gewisse Konvergenzen zu beobachten. Diese widersprechen der Theorie Luhmanns, der zufolge Wissenschaft und Journalismus unterschiedlichen „Codes“ folgen: Nämlich „Wahrheit“ (im Fall der Wissenschaft) und „Neuheit/Information“ im Fall der Medien. Dies ist die Kernbotschaft meines Artikels „Wo Niklas Luhmann sich verrannt hat“, der heute in „Meta“ erschienen ist,  Weiterlesen

Dies sind Bilder von einer Reise nach Syrien 2008.
Ziel waren Recherchen für mein Feature „Der letzte Acker vor der Wüste“. Das Internationale Agrarforschungszentrum für die Trockengebiete ICARDA befand sich in Aleppo. Mehrere hundert Mitarbeiter aus der ganzen Welt arbeiteten und forschten dort gemeinsam. Inzwischen ist das Hauptquartier ist nach Beirut umgezogen.
Die folgenden Bilder entstanden am Rande der Recherchen und zeigen eine Welt, die es so nicht mehr gibt.

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